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CDU stoppt Stadtbahn – aber nur ein bisschen!
CDU stoppt Stadtbahn – aber nur ein bisschen!
Dienstag, den 30. November 2010 um 20:33 Uhr

Bürgermeister Ahlhaus macht ernst. Keine 48 Stunden nach dem Koalitionsbruch legt der Hamburger Senat die Stadtbahn-Planung auf Eis. Die Hochbahn muss das laufende Planfeststellungsverfahren stoppen. Die Menschen in Bramfeld und Steilshoop rüsten zum Kampf.
Begründung des Bürgermeisters: Sowohl die Kosten in Höhe von einer Milliarde für ein 28 Kilometer-Netz, als auch die Trassenführung würden so viele Bedenken aufwerfen, dass ein Planungsstopp nötig sei.
Harry Schaub, 1. Vorsitzender der in Gründung befindlichen Volksinitiative "Stadtbahn JA", hält das für eine windelweiche Ausrede. Für ihn ist der Planungsstopp Teil eines persönlichen Rachefeldzuges gegen die Grünen. Es sei unverantwortlich, wie Ahlhaus die Stadtbahn für kleinkarierte Sandkastenspiele missbrauche und dabei das Lebensinteresse von 70.000 Einwohnern in Bramfeld und Steilshoop völlig außer Acht lasse, so Schaub gegenüber stadtbahnjetzt.de. Es könne nicht sein, dass der Bürgermeister aus verletzter Eitelkeit ein fertig geplantes Verkehrsprojekt kippe, welches er noch vor wenigen Tagen für sinnvoll hielt und dies auch vom Bundesverkehrsministerium bescheinigt bekam.
Schaub wies außerdem darauf hin, dass der seit 40 Jahren versprochene Schienenanschluss für Steilshoop und Bramfeld ausdrücklich ein Projekt aller Parteien gewesen sei. Das durchsichtige Wahlkampfmanöver der CDU werde einen bleibenden Vertrauensschaden zwischen den Bürgern und der CDU hinterlassen.
Tatsächlich hat Ahlhaus mit seinem überstürzten Planungsstopp einen beachtlichen wirtschaftlichen Schaden angerichtet. Ein Großteil der bereits in die Stadtbahnplanung geflossenen 10 Millionen Euro dürfte mit dem heutigen Tag nämlich verbrannt sein. Grund: Der Abbruch des Planfeststellungsverfahrens in der aktuellen Anhörungsphase verbietet eine spätere Fortsetzung des Verfahrens. Aus rechtlichen Gründen müsste das gesamte Planfeststellungsverfahren nach dem jetzigen Stopp noch einmal komplett von Beginn an neu aufgerollt werden.
Verantwortungsbewusstes und wirtschaftliches Handeln mit Steuergeld sieht anders aus.
Dazu kommen weitere Schäden, deren Ausmaß bislang noch nicht absehbar ist. Nach unbestätigten Informationen würde zum Beispiel die Hochbahn ihre bereits beantragte Konzession für den Stadtbahnbetrieb wieder verlieren, bzw. nicht mehr erhalten. Eine neue Beantragung würde aufgrund eines veränderten EU-Rechts nicht mehr ohne Weiteres möglich sein. Außerdem bedeutet die sofortige Auflösung von Planungsaufträgen an Fremdfirmen Schadensersatzforderungen, die heutem noch gar nicht zu beziffern sind aber vom Steuerzahler voll getragen werden müssen.
Ein weitere Punkt sind die bereits beim Bund vorangemeldeten Fördergelder in fast dreistelliger Millionenhöhe, die nun nicht nach Hamburg gehen, sondern in anderen Großstädten verbaut werden.
So wird der gesamte finanzielle und volkswirtschaftliche Schaden für die Stadt am Ende vermutlich höher sein als der Bau der Stadtbahn.
"Mit seiner heutigen Entscheidung hat Ahlhaus der Stadt Hamburg ohne Grund imense Schäden zugefügt und auf entlarvende Weise gezeigt, dass ihm persönlichen Scharmützel wichtiger sind, als Sachpolitik und ein vernünftiger Umgang mit Steuergeld", so "Stadtbahn JA"-Sprecher Schaub.
Tatsächlich bleibt fraglich, ob sich die CDU mit diesem Wahlkampfmanöver wirklichen einen Gefallen getan hat. Bei den Stadtbahnbefürwortern werden die Christdemokraten seit heute jeglichen Kredit verspielt haben und auch bei den Gegnern der Stadtbahn dürfte zumindest hängen geblieben sein, dass man dem Bürgermeister und seinen Versprechen von gestern heutzutage lieber nicht mehr trauen sollte.
Die SPD hat nun die einmalige Chance, sich klar dagegen zu positionieren.
Update 8.12.2010:
Inzwischen wurde bekannt, dass die CDU das Planfeststellungsverfahren für die erste Stadtbahnstrecke doch nicht gestoppt hat. Die Christdemokraten sprechen nur noch davon, dass die weiteren - über das Planfeststellungsverfahren hinausgehenden - Stadtbahnplanungen vorübergehend eingestellt seien. Bürgermeister Ahlhaus betonte im NDR, dass er an der Idee einer Stadtbahn in Hamburg generell festhalte - allerdings mit einer veränderten Streckenführung. Angesichts der Verkehrsprobleme führe an der Stadtbahn kein Weg mehr vorbei, so Ahlhaus.
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Kommentare (6)

W.K.
said:
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... Dass Herr Alhaus so schnell zeigt warum die Rotschwarze Koalition jetzt scheitern mußte, hätte ich nicht gedacht. Mit diesem Planungsstop ist das Tuch zwischen CDU und GAL wohl endgültig zerissen. Herr Ahlhaus hat seinen Amtseid gebrochen indem er nicht Schaden von der Stadt wendet sondern ihr erneut Schaden zufügt. Es zeigt sich zudem erneut wie wenig die CDU mit Geld umgehen kann. Hafenoper, Bank Desaster und U 4 stammen von der CDU und nun wirft man erneut Geld hinaus, indem man ohne Not, nur der eigenen Klientel geschuldet, die Planfeststellung stoppt. Mich wundert, dass das eine Stadtratsminderheit überhaupt so einfach kann. Die CDU will die Stadtbahn nicht mehr seit Ole von Beust das sinkende Schiff weit vor der GAL verlassen hat und jetzt ist eben die GAL auch ins Rettungsboot gestiegen. Ausnahmsweise lernt die SPD schnell und der Spitzenkandidat beansprucht immerhin die Urheberschaft der Stadtbahn für seine Partei, wenn er sie auch kürzlich noch für unbezahlbar hielt. Das Problem dürfte allerdings in einer rotgrünen Koalition leicht lösbar sein, ist doch die Stadtbahn eine Zukunftsinvestition, die der Stadt in der Zukunft viel Geld sparen kann. |
Dezember 01, 2010
Westfale
said:
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... Es ist zutiefst bedauerlich, daß Hamburg sich von einem sehr sinnvollen Stadtentwicklungsprojekt verabschiedet, nur weil es einem karriereorientierten Parteipolitiker wie Ahlhaus gerade ins Kalkül paßt. Ahlhaus hat sich damit selbst disqualifiziert. In einer Sachfrage opportunistisch, rückgratlos und pikiert zu entscheiden, kündet von einem erstaunlichen Maß an Politikunfähigkeit. So Nachteilig diese Entscheidung für Hamburg auch ist, ein Gutes hat sie jedenfalls, sie zeigt wenigstens frühzeitig, daß Ahlhaus politischer Verantwortung nicht gewachsen ist und mit einiger Sicherheit abgewählt wird, bevor er noch mehr Schaden anrichten kann. |
Dezember 01, 2010
Thorsten Bartel
said:
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... Man sollte eben auch dafür auf die Straße gehen um durchzusetzen, das Politiker für Ihr Tun finanziell bis zum letzten Cent haften müssen. |
Dezember 01, 2010
Mitropa1
said:
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... Vielleicht ist diese Seite ganz interessant, zumal derselbe Gutachter auch in der Heimatstadt von Ahlhaus tätig war, nur glücklicherweise nicht mit so verheerenden Folgen, da die Stadt noch rechtzeitig den Anker warf: http://www.upi-institut.de/folgen.htm |
Dezember 08, 2010
Michaela
said:
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Die 1. Strecke Was ich nie verstand, war die Tatsache, dass der Senat unbedingt mit der Brechstange ein neues Verkehrssystem und eine neue Verkehrsrelation realisieren wollte. Warum hat man statt dessen nicht gleich die Buslinie 5 (ehem 102, ehem Traml. 2) auf die Schiene gestellt? Diese Linie schreit doch danach und eignet sich als Anfangsinvestition besonders. So ist eine fertige Trasse in Straßenmitte auf 2 Dritteln der Strecke vorhanden. Nach Einstellung der Strab. wurde die damalige Buslinie 102 als Schienenersatzverkehr konzessioniert. Diese Konzession gilt bis heute. Dies ist der Grund, warum die heutige ML5 an den Haltestellen in Straßenmitte hält, andere Buslinien aber am Straßenrand! Mal drauf achten. Und wenn so eine Trasse schon da ist, braucht man den Anliegern auch keine Teile ihrer Grundstücke enteignen(=höhere Akzeptanz).Die Strecke wird komplett von Oberleitungsmasten gesäumt. Die müssen also weder angeschafft noch verbaut werden(=niedrigere Investitionskosten). Und ein Depot wäre theoretisch schon vorhanden. Vorausgesetzt, man hilft der Fa. Bauhaus am Nedderfeld ein neues Grundstück zu finden, damit der dortige Bau zumindest interimsweise seiner ursprünglichen Aufgabe als Tramdepot wieder zugeführt werden kann. Die heutige Buslinie 5 wird täglich von über 50.000 Fahrgästen benutzt. Damit ist sie die am stärksten frequentierte Buslinie Europas! In anderen Teilen Europas und der Welt investiert man schon bei einem Bruchteil solcher Zahlen in Stadtbahn- oder sogar Metrosysteme! Hier kann man eine wunderbare Referenzstrecke einrichten. Denn es geht im 1. Schritt darum, keine neuen Verkehrsrelationen zu erschließen, sondern darum, Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen. Täglich 50.000 Menschen + X können sich dann vom neuen System überzeugen. Und ist die Akzeptanz einmal da, wird es sich auch leichter neue Strecken bauen lassen. Ich denke, dies war der strategische Fehler von Schwarz-Grün. |
Dezember 30, 2010
Mathias
said:
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Die 1. Strecke Wäre es möglich, wäre diese Strecke wirklich als erste gebaut worden... Leider aber hat die Strecke doch einige Nachteile. Der größte ist natürlich der Betriebshof - für das Gesamtnetz gibt es kein ausreichend großes Gelände, und mehrere Betriebshöfe sollen es aus Kostengründen nicht sein. Außerdem glaube ich nicht, das die Firma Bauhaus mal eben so umzieht. Abgesehen davon: Die Strecke wäre trotzdem schon im Bau - wenn sie Dammtor zuende wäre. Ist sie aber nicht, sie führt durch die Innenstadt bis Hauptbahnhof. Und angesichts des Widerstands der Mönckebergstraße gegen die U4 ist es nicht anzunehmen, daß sie den Bau der Bahn begrüßen - nicht, wenn nicht vorher die Leistungsfähigkeit bewiesen ist. Als erste Strecke ist die Innenstadt - und damit die 5 - nicht durchsetzbar. |
Januar 01, 2011
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